Du-buy.

Dubai skyline

Dubai ist pervers, weil Dubai eigentlich nicht von dieser Welt ist. Es gibt keinen anderen Ort, der so aus dem Nichts groß gezogen worden ist. Vor 15 Jahren noch, war Dubai ein besseres Fischerdorf mit staubigen Straßen. Das alte Dubai gibt es zwar noch, aber es hat etwas von Touristenfolklore inmitten von Gigantismus, Größenwahn, Turbo-Konsum & Plastikwelt. Eine Stadt, wie die Erfindung eines Marketingstrategen. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten liegt schon lange nicht mehr auf der anderen Seite des Atlantiks, sondern am arabischen Golf. Während der arabische Frühling andere Nationen förmlich pulverisiert hat, ist es den Vereinigten Arabischen Emiraten gelungen, eine moderne arabische Kunstwelt zu bauen. Geht nicht?! – scheint es nicht zu geben. Eine Skihalle in der Wüste? Kein Problem. Den größten Turm der Welt? Kein Problem. Lamborghinis als Polizeiwagen? Kein Problem. Die größte Shopping-Mall der Welt? Kein Problem. Eine Insel aufschütten? Kein Problem. Es hört einfach nicht auf mit den Superlativen.

Jumeirah Palm, Dubai

Das ist faszinierend und irritierend zu gleich, denn Dubai besteht eigentlich nur aus Expats. Locals? Fehlanzeige. Dubai ist eine Stadt wie ein Versuchsprojekt. Es gibt keinen echten Stadtkern, keine echte Gemeinschaft. Bunt gemischt, aber ohne Kultur. Man ist tolerant, weil schließlich jeder hier Ausländer zu sein scheint. Wie funktioniert Multi-Kulti – Dubai liefert die Blaupause, alles was zählt ist Konsum. Mehr ist Dubai nicht. Warum hat es diese Kunstwelt aber geschafft, in einem Atemzug mit Städten wie Miami, New York oder London genannt zu werden? Es ist eine It-Stadt, berühmt dafür berühmt zu sein.

Gläserne Bürotürme Dubai

Die Ölmonarchen subventionieren ihre nationalen Airlines wie Emirates und Etihad, damit sie zu Kampfpreisen die ganze Welt befliegen. Mit den gigantischen Drehkreuzen Abu Dhabi und Dubai, spült es jeden Fernstreckenflieger zwangsläufig irgendwann mal durch die Emirate. Dazu noch ein Formel 1 Grand Prix in Abu Dhabi, das bringt weiter Aufmerksamkeit und Quote. Aber genau hier liegt das Problem von Dubai & Co. Es fehlt die Substanz. Burj al-Arab, Burj Khalifa, Dubai Mall – sollen das wirklich Sehenswürdigkeiten sein?

Blick vom Burj Khalifa

Zumal das Klima jeden Europäer förmlich weghaut. Es geht kein Mensch zu Fuß. Zu heiß. Zu weit. Zu groß. Man kommt also an, huscht vom klimatisierten Flughafenterminal, ins klimatisierte Taxi, in die klimatisierte Metro, in die klimatisierte Mall, ins klimatisierte Restaurant, ins klimatisierte Hotel,…. – weil es einfach unerträglich und drückend heiß ist. Das Leben spielt sich drinnen und nicht draußen ab. Um der ganzen Ken & Barbie-Welt noch das Krönchen aufzusetzen, ist „Du-Buy“ ein einziger Schrei nach „Shop until you drop!“ Konsum ist nun mal der Motor unserer Wirtschaft, aber in Dubai ist es ein Exzess.

Dubai, wie es feiert.

Ironischerweise, sind zwar alle Marken dieser Welt mit Flagship Stores vor Ort, aber kein einziges, wirklich keines, der Angebote ist billiger als anderswo auf der Welt. Im Gegenteil. Aber auch hier Gratulation an die Marketingabteilung. Es funktioniert. Die Menschen kaufen, kaufen und kaufen. Wie ferngesteuert. Der Name ist Programm: Du! Buy! Es ist die Amerikanisierung des Orient, man spricht Englisch, bekommt dafür 1001 Nacht ultra-light serviert. Keiner ist integriert, weil keiner lange bleibt. Man kommt, verdient Geld und/ oder gibt es einfach nur aus. Willkommen in der Zukunft.

 

 

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