Korfu

Korfu Festung

Die Farbe des Wassers ist schon fast unverschämt. Türkis bis tiefblau, dazu der Kontrast zum hellen Stein der Stadt Korfu. Brüllende Hitze zum eiskalten Meer. Ein berauschender Cocktail der Natur. Die Qualität von Wasser sieht man ja bekanntlich nicht, aber wer hier nicht in Versuchung kommt, sich ins Ionische Meer zu stürzen dem ist nicht zu helfen.

Jede Möglichkeit wird genutzt, um sich kurz abzukühlen. Vermutlich würde man sich nirgendwo so bedenkenlos in einer Stadt mit all den Booten und Fähren mal kurz von der Promenade ins Meer stürzen. Auf Korfu ist es Teil des Lifestyles.

Ja, Korfu ist kein Geheimtipp. Und nein, die UNESCO gekürte, verwinkelte Innenstadt mit einem Labyrinth aus Bars, Bistros und Souvenir Shops ist zur Hauptsaison vermutlich nicht mehr zu ertragen,  aber unter all dem Tand der Touristen und der Patina des antiken Steins, sieht man griechische Schönheit.

Griechenland hat sich seine Nationalflagge wirklich verdient. Weiße Streifen, dazwischen nichts als blau. Weiße Stadt, blauer Himmel, blaues Meer. Mit einem Stich Türkis und sattem Grün. Die grüne Insel Korfu verdankt ihren Farbendreiklang Weiß-Blau-Grün auch den Olivenhainen. Im gebirgigen Inland stehen Olivenbäume in einer Dichte wie in Deutschland nur Verkehrsschilder.

Blick von Pelekas

Die Olivenhaine gehen allerdings auf die Venezianer zurück, die ab dem 14.Jahrhundert mal kurze 400 Jahre hier das Sagen hatten. Dann waren sie wieder weg, die Oliven sind geblieben und heute Exportschlager der Insel. Die Korfioten sind ohnehin ein sehr entspanntes Völkchen.

Als Gast wird man immer und überall herzlich begrüßt. Unaufdringlich in Small Talk verwickelt, um dann zu warten. Auf die Karte, das Essen, das Getränk, die Rechnung, alles dauert immer 5 min. länger als anderswo. Das ist nicht weiter schlimm, es kommt immer just in dem Augenblick, in dem man denkt: jetzt ist aber echt mal gut.

Korfus Straßen werden außerhalb der Stadt schnell zu besseren Feldwegen. Es schlängelt sich ein bröckelndes Band durch die Grünheit der Oliven. Eigentlich müsste der Asphalt schmilzen, denn die Hitze steht geradezu über dem Boden. Trotz aller touristischen Züge, die sich immer nur auf bestimmte neuralgische Punkte konzentrieren, wirkt die Insel verwahrlost und manchmal wie unbewohnt.

Glyfada Beach

Baufällige Ruinen, Müllberge, streunende Hunde – dazwischen der bekannte Mix aus nichts außer Natur, also Olivenbäumen. Ein Haken von Korfu ist der Mangel an echten Sandstränden. Steile Klippen, kleine versteckte Buchten, oft nur mit Boot erreichbar – einer der wenigen zugänglichen Sandstrände ist Glyfada Beach. Glorious? Wohl eher nada! Auf dem recht langen Strand verteilt sich das Publikum großzügig, aber richtig geil ist was anderes.

Ca. 20 km nördlich an der Westküste kommt Paleokastritsa, ein Kieselstrand mit einem Strandbar/ Restaurant, welches Ibiza style hat. Man lümmelt am Strand oder Pool ab, ordert Drinks, sanfter Chill-out perlt aus den Boxen und das Leben ist easy. Da die Bucht sehr eng ist, und Parkplätze kaum vorhanden, bleibt der Spot auch irgendwie exklusiv, weil Gerda und Harald mit ihrem TUI Reisebus hier gar nicht erst hinkommen.

So hängt eine eher junges und jung-gebliebenes Publikum auf den Lounge chairs ab und kühlt sich hin und wieder ab, um nicht das Hirn komplett frittiert mit nach Hause zu nehmen.

Kaisers Thron, Pelekas

Pelekas gilt als der Kaisers Thron, welcher auch zu sehen und zu besteigen ist. Er ist das Dach von Korfu. Blick nach Osten bis rüber nach Albanien, im Westen türkis-farbige Endlosigkeit bis der feuerrote Ball scheinbar hinter die kitschige Kulisse geschoben wird. Die Sonnenuntergänge sind majestätisch.

Der Name „Korfu“ klingt schon nach Urlaub, und das trifft es auch. Hieße die Insel „Anstrengend-ios“ man hätte es für einen Witz gehalten. Nicht umsonst ist in den Steilküsten und kurvigen Straßen schon Roger Moore als James Bond „in tödlicher Mission“ unterwegs gewesen. Das ist zwar fast 40 Jahre her, und trotzdem kann man sich vorstellen, dass die Insel vor 4 Jahrzehnten genauso aussah. Es ist nicht alles vom Tourismus niedergewalzt, sondern herrlich korfiotisch unaufgeregt.

Schweden

Göteborg

Man denkt an Bullerbü, und bekommt es. Schweden ist mehr als nur Stockholm oder Göteborg. Schweden ist landschaftliche Weite, Unberührtheit und Monotonie. Je karger das Land, desto eintöniger wird es. Das empfindet man entweder als schön, oder als öde.

Im fast ewigen Eis stehen versprengte rote Holzhäuser. Pipi Langstrumpf Romantik, dazwischen lichte Baumlandschaften unterbrochen von bolzgeraden Straßen. Der Verkehr ist mäßig. Da es unmöglich wäre all diese kilometerlangen Straßen durchs schwedische Outback zu beleuchten, setzen die Einheimischen die Extra-Watt auf jede Stoßstange. Ohne die eigene Flutlicht-Anlage fährt keiner durch die stockdunklen, schwedischen Nächte.

Es sagen sich nicht mal Hase und Igel „Gute Nacht“, man bekommt Schwindel von der absoluten Stille der Natur. Wenn der Kontinent bereits Frühlingsgefühle bekommt, gähnt im Norden noch keine Knospe nach langem Winterschlaf. Seen, Flüsse, Straßen –die Natur ist wie in weiße Watte gepackt, eine Landschaft im Dauer-Freeze. Foto-Kulisse und Postkartenkitsch.

Im Norden bei Älvsbyn fährt man mit dem Ski-doo durch die verschneite Landschaft, Reifen haben Spikes und jeder Schwede eine Steckdose vor der Haustür. Nachts wird der Wagen vor der Haustüre eingesteckt und elektrisch warm gehalten, um morgens nicht schockgefrostet am Lenkrad festzukleben. Die lokale Infrastruktur für E-Mobilität von der alle Autobauer neuerdings schwadronieren, hier ist sie schon da. Vermutlich würden Lithium-Ionen Batterien Antriebe, aber bei -40 Grad ganz andere Probleme bekommen.

Älvsbyn, Hauptstrasse

Älvsbyn hat was von einem verlassenen Wild-West Städtchen. Bestenfalls. In der Realität ist es ein trauriges Nest mit trostloser Einkaufsstraße und 4 ausladenden Schnellimbissen. Überhaupt, das Essen. Man denkt an Wasa, Knäckebrot und frischen Fisch, aber die meisten Schweden scheinen sich von Mikrowellen-Essen zu ernähren. Auch Vegetarier bekommen in diesen Breiten echte Schwierigkeiten, da es deftig wird. Renntier-Gulasch ist der Hit.

Keine Hektik, kein Stress, aber kalte Füße. Im Winter ist der Norden Schwedens ein idealer Stress-Blocker. Frostbeulen finden hier kaum wärmende Worte. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit, wie eigentlich überall dort, wo wenig Mensch auf viel Natur trifft. Man hält zusammen, um zu überleben. Der mentale Detox also für genervte Ellenbogen-raus-Großstädter, um mal den Fuß vom Gas zu nehmen. Die Disziplin im Umgang mit der digitalen Welt muss jeder Gast selber an den Tag legen, denn Schweden ist sehr fortschrittlich und großzügig, was die Wifi Verbindungen angeht – die sind immer und überall vorhanden.

In vielen Ranglisten, die Innovationskraft messen liegt Schweden sehr weit vorne. Das Land hat eine Technologie-Geschichte, Gründer schreiben die aktuelle fort. Auf ca. 1.000 Beschäftigte kommen in Schweden 20 Start-ups. Zum Vergleich, in den USA sind es gerade mal 5. So gesehen gibt es in Stockholm, mehr „Unicorns“ als im legendären Silicon Valley– Start-ups mit einer Bewertung von mind. 1 Milliarde US-Dollar. Der Kauf von PCs ist steuerlich begünstigt, plus das Land hat von Beginn an massiv in seine digitale Infrastruktur investiert. Industrie 4.0 ist in Schweden keine Vision, sondern in der Mache. Man hat die Zeichen früh erkannt, und sofort aufs richtige Pferdchen gesetzt.

Fortschritt bedeutet aber nicht immer gleich einen Schritt nach vorne. Wer ohne Kreditkarte nach Schweden reist, wird sich nach diesem kleinen Stück Plastik sehnen. Bezahlt wird oft mit Karte, sehr oft sogar wird kein Bargeld akzeptiert. Kein Land für Verschwörungstheoretiker, denn Pipi Langstrumpf bevorzugt VISA oder Mastercard. Bullerbü, schön verpackt, aber der digitale Fußabdruck bleibt in Schweden omnipräsent, ob man das will, oder nicht.

Im kuscheligen Flughafen von Lulea ist alles eins. Ankunfts-, Abflug-, Mietwagenhalle. Typisch skandinavisch, alles offen, alles modern – trotz tiefster Provinz. Das Städtchen vom Bottnischen Meerbusen ist eher ernüchternd. Im langen Winter stellt die Stadt kostenlos Eis-Schlitten zur Verfügung, dazu eine gespurte Bahn auf gefrorener See, die Luft kalt und klar. So stellt man sich den schwedischen Winter vor. Da sind die Renntier-Kalorien schnell wieder verbrannt.

Lulea Hafenpromenade

Bekanntheit hat Lulea dank Ken Block erlangt.  Gymkhana Drift King, der hier seine PS-Potenz übers Eis geprügelt hat. Einmal viel Lärm, danach wieder Dornröschenschlaf. Das passt zum Gesamteindruck von Schweden. Modern, offen und sehr weltgewandt wirkt es oft bräsig und behäbig, ist es aber nicht. Schweden ist in der Zukunft schon lange angekommen, das Wasa-Land Image ist nur der Hebel der Tourismus Branche.

Kolumbien

Bogotá, Kolumbien – wie in eine grüne Arena gebettet

K

Bogotá. Ein Name wie ein hingerotztes Wort. Ein Moloch, der sich nicht mehr bewegen kann. Man steht sich im Verkehr zu seinem Ziel. Trotz „Pica Placa“ – dem kolumbianischen Fahrverbot, aber nicht wegen der Abgase, nein. Viel mehr bedeutet Pica Placa – ein Fahrverbot für bestimmte Kennzeichen an bestimmten Tagen. Wir haben Dieselskandale und Fahrverbote 2018/19 – Kolumbien hatte das schon vor 15 Jahren. Wer ist hier also 3. Welt?!! Der tägliche Verkehrsinfarkt ist trotzdem nicht zu umgehen. Nur die Reichen können sich ein Auto leisten, wegen Pica Placa hat man davon gerne zwei oder drei, um das Verbot ganz entspannt zu umgehen. Der Rest sind Collectivos, Taxen und Busse, die Bogotá verstopfen.

Das Klima ganzjährig mild. Weder heiß noch kalt. Irgendwie im Mittelfeld feststeckend. Ein Land, welches alles andere als Mittelmaß ist. Bunt, südamerikanisch chaotisch, herzlich. Kolumbien hatte lange Jahre das Image eines verruchten Rotlichtviertels. Eine gefährliche Faszination, die sich heute in Netflix Dokus über den berühmtesten Kolumbianer aller Zeiten nährt. Pablo Escobar. Der Inbegriff eines Drogenbarons, der ein ganzes Land geschaltet hat, nach seinem Gusto.

Der Robin Hood Medellins ist heute Folklore, wie Ché Guevara bei den Kubanern. Die Amis haben die Kennedys. Die Deutschen Boris Becker. Argentinien Diego Maradonna. Helden, die immer Tragik mitbringen. Der unfassbare Erfolg, der Aufstieg in den Olymp. Göttergleich, geliebt, verehrt, gehasst. Ein Leben auf schmalstem Grad, weil Größenwahn, Genie und Einzigartigkeit verführerisch sind.

Alle Helden erleben bitterste Niederlagen. Beruflich und/oder privat. Grandioser Reichtum, grandioses Scheitern, Tragik durch Unfall, Mord oder Tod. Nimmt man Kolumbien ist diese ganze Spannbreite vereint in einer ganzen Nation.

In den 90ern waren Bombenanschlage Daily Business in Downtown Bogotá. Heute trauen sich Touristen in diese grandiose Arena, in der Bogotá liegt. Ein Moloch mit erstaunlich moderatem Klima, denn Bogotá kennt keine Jahreszeiten. Dabei hat dieses Land eine unvergleichbare Amplitude der Gegensätze. Karibik, Pazifik, Dschungel, Metropolen, südamerikanische Leichtigkeit und Verrücktheit. Der Europäer würde, ganz Technokrat, Kolumbien als unkonventionell bezeichnen. Locombia ist aber mehr als das, es ist bunt und verrückt.  

Kolumbien hat alles und manchmal auch ein bisschen mehr. Da findet man schon mal ein Gramm Koks auf der Rückbank des Taxis. Nachts bleibt keiner an roten Ampeln stehen und wenn einem nachts ein Auto folgt, gibt man einfach Gas. Das ist das Kolumbien für den kurzen Adrenalinkick.

Love Hotels am Stadtrand von Bogotá

Wer sich eine Kolumbianerin anlacht, der wird auch lernen, was ein Stundenhotel ist. Im offiziell sehr katholischen Kolumbien, kann die Tochter den Novio nicht einfach so mit nach Hause bringen. Also geht es in eines der vielen Love Hotels am Stadtrand. Diskretion ist das oberste Gebot. Stoßstange an Stoßstange steht man am Gate und wartet bis der Pförtner das Tor öffnet, per Sprechanlage bestellt man Zimmer, Ausstattung und Anzahl der Stunden. Der Pförtner weist den Weg zu einer Garage und schließt dieser hinter den Love birds diskret. Innen geht man dann direkt in seine gebuchte Suite mit Jakuzzi oder was auch immer. Zusätzliche Kondome gibt es per Menükarte, genauso wie den Zimmerservice fürs Essen, wenn man dies wünscht. Eine faszinierende Angelegenheit, man muss nur den Partner mitbringen, der Rest ist einzig und allein fürs große Ganze reserviert.

Heute sind Busfahrten in Kolumbien kein Problem mehr. Vor 15 Jahren hat es Gegenden in Kolumbien gegeben, die man als Gringo vermeiden sollte. Man ist eingestiegen, alle Vorhänge zu und Vollgas. Eine Straßenblockade hätte das Filzen des Busses bedeutet. Darin ein Gringo, das hätte oft schlechte Noticias bedeutet : plata o plomo. Geld oder Blei. Entspanntes Busfahren war das damals nicht.

Die Karibik ist ein Traum. Gerade in Kolumbien. Einsame Buchten, kristallklares Wasser, der Local der Dir den fangfrischen Fisch am Strand grillt. The living is easy and the sun is always shining. Cartagena hat sich in den letzten Jahren zu einem Hotspot entwickelt. Bunte Chivas schaukeln durch die Gassen.

Insgesamt muss man sagen, Kolumbien hatte viele Jahrzehnte den Ruf eines abgehalfterten Bahnhofsviertels. Sicherlich war es das auch lange Zeit, aber Locombia ist eine Offenbarung für jeden Gast. Landschaftlich eine Wucht, Menschlich eine Bombe und Gesellschaftlich eine einzige Fiesta. Te quiero un montón, Locombia.

Finnland

Eisblaue Augen, strohblonde Haare und Outdoor Mentalität – das sind die gängigsten Attribute Finnlands. Und sie stimmen. Eines der nördlichsten Länder der Welt, das klingt schon nach sehr kalt, kein Wunder ist es eines der am dünnsten besiedelten Länder Europas. Wer friert schon gerne? Gerade mal 16 Einwohner pro km² (zum Vergleich: Deutschland quetscht 231 Einwohnern auf den km²) machen das deutlich. Eng wird es selten, aber der Kuschelig-Faktor ist hoch.

Helsinki hat die Größe von Stuttgart, mit rund 600.000 Einwohnern. Wären die Finnen nicht notorische Schweiger, man könnte glauben hier kennt sich jeder. Alles ist in einem Radius von ca. 40 Minuten Fußweg in Helsinki zu erreichen. Einmal vom einen Ende der Stadt zum Anderen. Per Bahn sind die 3 Fixpunkte Flughafen-Innenstadt-Meer in 30 Minuten erreicht. Das steht doch mal für eine sehr gesunde Lebensqualität und ausgewogene Work-Life Balance.

Helsinki ist sehr energetisch, unprätentiös und herrlich unedel. Man fühlt sich sofort wie zu Hause. Im Gegensatz zu seinen skandinavischen Nachbarn Schweden und Norwegen ist Finnland ein bisschen anders gestrickt. Finnisch hat gegenüber der landläufigen Meinung keinerlei Berührungspunkte mit den nordeuropäischen Sprachen, sondern eher mit Ungarisch und Russisch. Das Englisch-Niveau ist oft auch nicht ganz auf diesem unfassbar hohen seiner Nachbarn.

Die Reserviertheit und Ausdrucklosigkeit in den Gesichtern der Finnen kann schnell mit Ablehnung verwechselt werden, das ist es aber nicht. Das Lächeln eines Finnen wäre bei einem Mitteleuropäer bereits ein schallendes Lachen. Der Finne genügt sich selber.

Helsinki -Skyline

Seine Schwarzwald-Romantik hat Finnland in Porvoo. Was dem Schwarzwald die Kuckucksuhr ist dem Finnen das historische Porvoo, ganz in der Nähe von Helsinki. Rote Holzhäuschen, welche ursprünglich Lagerhäuser des ehemaligen Handelszentrums waren, stehen wie eine schiefe Filmkulisse am Fluss. Heute sind diese Holzhäuser bewohnt. Eine begehbare Puppenstube, alles ist schief und wirkt von Wind und Wetter gebogen. Klar, das hat Charme und zieht bei Touristen. Auch hier sind es wie im Schwarzwald vor allem Asiaten, die von der kopfsteingepflasterten Putzigkeit fasziniert sind.

Porvoo – das rote Künstlerstädtchen

Viele finnische Künstler, denen Helsinki zu „hektisch“ geworden ist, haben sich in Porvoo angesiedelt um dem Gras beim Wachsen zu zusehen. Viel los ist nämlich nicht gerade in der zweitältesten Stadt Finnlands. Das kleine Porvoo hat zudem 2 Gesichter. Puppenstube und Bausünden der 50ger Jahre. Nach dem WWII war Wohnraum knapp, das alte Porvoo wurde erhalten, aber um den Kern herum wurde schnell und humorlos gebaut. Das sorgt für einen starken Kontrast. Rot ist zwar die Farbe der Stadt und beider Stadtteile, aber der Bruch im Gesamtbild ist unübersehbar.

Selbst einer der bekanntesten Finnen, Kimi Räkkönen hat in der Nähe sein Wochenendhäuschen mit Sauna und Zugang zur See. Wer den Iceman in seiner Heimat erlebt, versteht diese stoische Ruhe und Unaufgeregtheit der Finnen. Unerschütterlich, geradlinig und sehr direkt. Die Welt könnte untergehen Kimi, der Finne würde seelenruhig den Gang der Dinge hinnehmen.

Wer in Finnland lebt, weiß dass die Natur über uns richtet und nicht andersherum. Die Stille der Landschaft macht den Besucher ebenfalls leise. Man wird zum Beobachter. Es ist eine Reise zu sich selbst, dieses unberührte Finnland. Eine natürliche, raue Schönheit.

Weißrussland

Es gibt nur wenige Reiseziele, die das kribbelnde Gefühl der Fremdheit vermitteln. Der ursprüngliche Sinn einer Reise sollte ja gerade das Unbekannte, das Abenteuer, die Sprachlosigkeit in der Kommunikation, das Außergewöhnliche sein. Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Mobilität. Man jettet durchs Leben und die Cities. Ein Kurztrip hier, ein Wellness Wochenende da. Die Quittung ist der tägliche Wahnsinn an sämtlichen Flughäfen weltweit. So erstaunt es statt Masse, einen leeren Frankfurter Check-in, leere Security Kontrolle, und leeren Flieger vorzufinden. Wer will schon im Januar nach Minsk?  Oder besser gefragt: wer will eigentlich überhaupt nach Minsk?

Mein Blick überfliegt die Sitzreihen meines Lufthansa Flugs. Kantige Gesichtszüge der Männer, puppenhafte Weiblichkeit der Frauen – das ist die DNA des Ostens. Viele Deutsche sind es nicht. Ich lehne mich mit einem Lächeln zurück, ohne zu ahnen, dass mir dieses sehr schnell vergehen wird.

Minsk, – 20 Grad mit zu gefrorener Swislatsch

Ankunft Minsk. Leere Passkontrolle, leerer Flughafen, keine Warterei. Ich bin euphorisch. Paris kennt jeder. Minsk wohl keiner. Ich gehe durch doppelt verglaste Schiebetüren nach draußen und mein Lächeln gefriert. Sprichwörtlich. -20 Grad. Väterchen Russlands kalter Atem schmerzt stechend. Ich stolpere angezählt zurück ins Terminal und ziehe alles an was die Tasche hergibt und trete erneut gegen Belarus an.

Unweigerlich muss ich muss an die Filmszene aus Cool Runnings denken. Das jamaikanische Bobteam reist nach Calgary, Kanada und erlebt den Kälteschock. Minsk ist mein Calgary. Auf einer schnurgeraden Autobahn geht es im Taxi die 40 km nach Minsk. Links und rechts türmt sich eine verwehte Schneelandschaft auf. Kein Mensch ist zu sehen. Die Minsker, die draußen sind, sehen aus wie dampfende Alpakas. Pelzmäntel mit Kapuzen, dampfende Atemfahnen stehen in der Luft. Böse Zungen behaupten: „Nur russische Frauen schaffen es in teuren Kleidern billig auszusehen.“

Zugegeben, es ist eine Pauschalisierung, aber es ist was dran. Die Stiefel sind immer einen Tick zu hoch, die Röcke gerne einen Tacken zu kurz und die French Nails grundsätzlich zu lang. Russische Frauen sind Porno. Immer. 24/7. Aber die Kälte ist irgendwie ein Gleichmacher.  Die Frauen sehen in den taillierten, langen Fellmänteln sehr elegant aus, nicht billig. Grazil bewegen sie sich auf turmhohen Stiefelabsätzen mit stoischem Gesicht über vereiste Gehwege. West-Europäerinnen würden hier vermutlich ohne ärztliches Attest nicht mal mit Schneeketten spazieren gehen.

Minsk ist genauso wie man sich den Osten vorstellt. Eckig, praktisch, lieblos. Wuchtige Wohnsilos mit unfassbar vielen identischen Wohneinheiten stehen hier nebeneinander wie am Lineal gezogen. Riesige Parkanlagen lassen jeden europäischen Städteplaner dagegen vor Neid erblassen. Minsk atmet frei und flaniert großzügig. Die Bürgersteige haben die Ausmaße deutscher Autobahnen, der Verkehr fließt daneben auf den mehrspurigen Alleen äußerst diszipliniert. Kein Gehupe, keine Staus. An Ampeln hat der Fußgänger Vortritt, und dieser wird respektiert.  Überhaupt herrscht Disziplin. Kein Minsker überquert die Straße einfach so. Es wird an der Fußgängerampel auf Grün gewartet. Ausnahmslos. Und nur an der Ampel wird die Straße überquert.

Stadttor von Minsk

Das ist sehr erstaunlich für eine 2 Mio. Stadt. Es wird nie hektisch, und schon gar nicht eng. Auch nicht in der Metro. Die ist zwar uralt und hat nur 2 Linien, aber sie schaufelt unermüdlich die Minsker von Niamiha nach Kamiennaja horka oder umgekehrt.  Die Fahrt ist lächerlich günstig und auch für Kyrillisch-Analphabeten oder Fahrplan-Legastheniker erschreckend einfach zu verstehen. Es gibt eine rote und eine blaue Linie.

Hier geht man mit Minsk auf Tuchfühlung. In vielen Weltstädten sieht man in erschöpfte Gesichter in den Pendlerzügen. Nicht so in Minsk. Seltsam ausdrucks -und teilnahmslos ja, aber nicht müde. Hinter der kühlen Fassade steckt aber alles andere als Kälte. Wer sich nur mit 2-3 Worten Russisch bemüht, dem wird geholfen. Zur Not mit Händen und Füßen.  Haracho? Haracho!

Minsk ist ein interessanter Mix aus historischen Fassaden. Dazu kommen futuristische Neubauten, die wohl für einen Umbruch stehen sollen, der aber in einer der letzten Diktaturen Europas nicht so richtig in die Gänge kommt. Aufschwung wird streng dosiert. Klar, MC Donald’s, Burger King und moderne Shoppings Malls sind schon da, aber viel spannender ist der Gang durch eines der typischen, alten Kaufhäuser.

Es wirkt wie aus unserer Zeit gefallen. Man entdeckt russische Kleidermarken & Namen, die man vorher noch nie gesehen hat. Außerdem scheint jeder russische Herr hier seine schwarze Lederjacke und seine schwarzen Lederschuhe zu kaufen. Mehr Auswahl gibt die Herrenabteilung auch nicht her. Gut, für ganz Verwegene gibt es noch die Farbe blau….

Penibel getrennte Bereiche für Herren, Damen, Kinder und Haushaltswaren. Im Gegensatz zum dekadenten Westen, gilt im Gum weniger ist definitiv mehr. Wäre man nicht in einem Gebäude, es hätte was von einem gut sortierten Flohmarkt aus dem Jahre 1989. So muss sich Kommunismus angefühlt haben.

Im Überwachungsapparat Lukaschenkos gibt es tatsächlich noch den KGB. Der heißt noch immer so, und seine Agenten überwachen auch 30 Jahre später die Straße. Oppositionelle verschwinden geräuschlos im Knast. Aber die Konsumhaltung des Westens sickert auch in Lukaschenkos Osten ein wie süßes Gift. MC Donalds steht nicht für ungesunde Ernährung, sondern für Moderne.  Im NEXT tanzt sich das junge, aufstrebende und sehr gutaussehende  Minsk in den Rausch. Der politische Wandel ist vielleicht nicht in Sicht, aber das Leben giert nach Fortschritt.  

Auffallend ist die Abwesenheit anderer Touristen. Wer will schon nach Minsk? In 4 Tagen habe ich nicht ein Wort Deutsch, Spanisch, Französisch oder Englisch gehört. Vermutlich sind alle in Paris. Oder es ist die Tatsache, das Minsk einfach nur Minsk als Attraktion bietet. Sprich, sich selber. Ungeschminkt und schnörkellos. Es gibt keine wirklichen Sehenswürdigkeiten, von denen man sagen könnte: muss man mal gesehen haben.

Einzig die Amerikaner – wenn sich denn welche ins kleine Bruderland vom Erzfeind Russland- trauen, suchen nach der Wohnung von Lee Harvey Oswald. Der Kennedy Attentäter, hat ab 1960 im linken EG in der Vulitsa Kamunistychnaja 4 gewohnt. Das passt zum Gesamtbild Weißrusslands. Die Jungen blicken sehnsüchtig nach vorne Richtung Westen, die Alten kleben gerne in der Vergangenheit des Ostens.

Zynisch gesprochen ist es also nur eine Frage der Zeit, bis die neue Welt Weißrussland vereinnahmt. Gut für das Land, schlecht für den Abenteurer. Minsk wird dann schnell zum nächsten Paris.

Portugal

Wer Portugal kennt, weiß das Land ist schön. Ein Land mit zwei Herzen. Lissabon die Stadt des Lichts und Porto die Stadt der Fischer. Lisboa – die Stadt des Lichts ist heute mehr Stadt der Socken in Sandalen. Was früher Kaffeefahrten mit Bus und Bahn waren, sind heute die europäischen Flugziele Barcelona, Paris oder Lissabon. Schön, aber überlaufen. Invasion der Stützstrümpfe!  Die Mobilität des 21. Jahrhunderts fordert erste Opfer, denn die Mainstream Ziele sind eigentlich keine Reise mehr wert. 

Tejo, Lissabon

Da trifft Erna aus Castrop-Rauxel auf Gisela aus Bad Tupfingen und regt sich über Hermann aus Meppen auf. Klar, sind die westlichen Gesellschaften alternde, aber es ist schon erstaunlich wie viele Rentner sich aufmachen, um letztlich dann genau das zu erleben wie bei sich zu Hause. Organisierte Bequemlichkeit, deutsche Tour-Guides und nichts als Landsleute um sich herum. Nur die Kulisse ist eben eine andere. Erlebt hat man eigentlich nichts. Es ist nur das Gefühl etwas Neues gemacht zu haben.

Leider ist Lissabon zu schön, um es nicht zu sehen. Elegant und mondän mit seinen weißen Kopfsteinpflastergehwegen. Verwegen mit seiner Golden Gate artigen Brücke über den Tejo. Quirlig in seinen engen Gassen im Barrio Alto. Durch das europäische San Francisco rumpeln alte Straßenbahnen über die Hügel, immer wieder öffnet sich der Blick über den weiten Tejo.

Vor der Haustür den Atlantik. Die große Badewanne Europas. Wer glaubt es geht kaum schöner, wird immer wieder aufs Neue demütig. Cascais, der kleine Badeort, hat sich bereits zu einer veritablen Stadt entwickelt. Indikator für Gentrifizierung – auch hier gibt es inzwischen MC Donalds. Die Golden Arches sind selten ein gutes Zeichen, was die Ursprünglichkeit eines Ortes angeht.

Ericeira – Surf City. Das weiß getünchte Zentrum hat sich seinen Charme bewahren können. Drumherum brechen aber 2 der besten Pointbreaks Portugals, sprich Ericeira entwickelt sich stetig weiter. Surfshops, Surfschulen, Surfer Flair – alles ist auf das Business ausgerichtet.

Peniche – streng genommen eine Festung auf einer Landzunge, umgeben von einer alten Stadtmauer duckt sich das Städtchen vor dem wilden Atlantik. Alles was es nicht hinter die Stadtmauer geschafft, liegt seltsam zerstreut auf der Landzunge davor. Auch hier ist die Surfindustrie fett im Geschäft. Wenn Ericeira Quiksilver ist, dann ist Peniche Rip Curl. Segen und Fluch, bricht doch mit Supertubos ebenfalls eine perfekte Rechts direkt neben der Hafenmauer.

Nazaré – das Big Wave Mekka. Ein kleiner kompakter Stadtkern, dicht gedrängt, als würden sich die Häuser anstellen, um endlich vorne an den Strand zu kommen. Daneben ein Felsen. Eine Trutzburg, Aussichtsplateau und Theaterbühne für weltweit rund 30 Surfer. Wer hier im Winter 20 Meter Brecher surft, ist Profi und lebt und arbeitet nur für diese Momente. Fehler können tödlich sein.

Oporto stand und steht aber schon immer im Schatten von Lissabon. Lisboa – der Name ist Programm- gilt als die Schöne, aber Porto als die Charmante. Wie bunte Nähkästchen an den Hang geschraubt, stehen die Häuschen am Rio Douro. Vorne wütet der Atlantik und trägt den Salzgeruch weit ins Herz von Porto.

Eine offensichtlich unterschätzte Stadt, die klein und kompakt ihre engen Gassen um den Douro verteilt. Foz Velha, das historische Viertel am Wasser steht unter Denkmalsschutz und oftmals leer. Miete und Instandhaltung der alten Buden sind immens. Die Portuenser leben am Stadtrand. Im Altstadtviertel – in Ufernähe ausgenommen – ist abends daher kaum was los. Ribeira is the place to be.

Ponte Maria Pia

Lissabons Schönheit hat sich rumgesprochen. Portos pittoresker Arbeiter-Charme noch nicht. Das hält die Preise unfassbar günstig und die Massen weit weg. Es ist ein bisschen wie bei der Damenwahl. Die Hübsche wird bestürmt und ist schnell vergriffen. Die Unscheinbare mit dem einfallslosen Etikett „Hafen“ in der Warenauslage, braucht schon Kenner um entdeckt zu werden. Danach mach es aber BUMM, und man ist schockverliebt.

Orientierung in Porto ist einfach und logisch. Steigt man nach oben, legt sich Porto einem wie ein Schmusekätzchen zu Füßen. Stolpert man nach unten endet man immer irgendwo am Rio Douro und damit quasi im Zentrum, welches selbstredend, UNESCO Weltkulturerbe ist. Verdienter kann man es auch kaum sein.

Mit 240.000 Einwohnern hat Porto in etwa die Größe von Kassel, ist damit aber zweitgrößte Stadt Portugals. Und im Vergleich zu Kassel ist Porto die Granate bei der Damenwahl. Nix gegen Kassel, aber Porto hat definitiv mehr Klasse. Und Rasse sowieso.

Zwei große Städte mit unterschiedlichem Charakter Porto und Lissabon. Die Beiden bilden quasi die Klammer für Portugals wilde Schönheit, unbefahrene Straßen, Wellen satt und tätowierten Hippster Lifestyle. Portugal ist leider kein „Hidden Gem“ mehr, aber es ist das schönste Gesicht Südeuropas.

Saudi Arabien

Riad von oben

Es ist nur eine Liste. Aber diese Liste ist lang und verschreckend. Vor der Einreise nach Saudi-Arabien gibt es eine Menge „Don’t“ zu berücksichtigen.

Kingdom Tower Riad

Kein Alkohol, keine Drogen – das ist noch verständlich. Keine unverhüllten Fotos auf dem privaten Handy – schon weniger. Keine Dating Apps, kein Instagram, kein Twitter, kein bisschen Haut, kein nichts. Keine Zeitschriften, die freizügig gekleidete Menschen zeigen, sprich nichts aus der „verdorbenen“ westlichen Welt.

Man muss kein Befürworter von Freizügigkeit sein, aber dieses Gefühl in seiner gewohnten Freiheit beschnitten zu werden, gibt schon vor der Ankunft einen unangenehmen Vorgeschmack für Willkür und Ohnmacht.

Es ist eine sehr befremdliche Erfahrung nach Saudi-Arabien zu reisen. Es sind die vielen Verbote. Ausgeführte Todesstrafen, Unterdrückung der Frauen, Missachtung menschlicher Grundrechte, die unruhig machen.

Auf dem Papier eine absolute Monarchie, mit der Betonung auf Absolut!!!. In der Realität ist die Hierarchie diktatorisch. Ein abgeschottetes Land mit einer großen Zukunftsvision. Man erahnt nur das traditionelle Arabien. Hohe Mauern um festungsgleiche Anwesen, wenige Fenster um, im Sommer, die brütende Hitze aus den Wohnungen zu halten. Von Außen wirkt dafür alles abweisend und menschenfeindlich.

4-5 spurige Highways führen an monotonen, sich immer ähnelnden erdfarbenen Wohnblöcken von Riad vorbei. Kein Mensch ist auf der Straße zu sehen. Aber links und rechts ziehen große SUVs an einander vorbei.  An vielen Kreuzungen ist der American Way of Life schon eingezogen. Fast Food Imbisse drücken sich aneinander – wie bei ungeliebten, aber wichtigen großen Bruder. Ohne Onkel Sam wären die Saudis noch isolierter. Sam braucht Erdöl, Saudi liefert. Eine Ehe mit Ehevertrag, aber keine große Liebe.

Wie die Frauen, so das Land. Alles wirkt wie hinter einem blickdichten Vorhang. Frauen in Abayas, voll verhüllt, nur funkelnde dunkle Augen sind zu sehen, welche den Fremden neugierig mustern. Es lässt Spielraum offen für Interpretationen, was die Damen darunter tragen. In den Shopping Malls sieht man Victoria Secret genauso wie alle anderen Läden.

Ladies & Family Sections an jeder Kasse der Restaurants. Strikte Trennung von Mann und Frau. Ein Land in schwarz-weiß. Frauen tragen schwarze Abayas, Männer weiße Thawbs.

Die Herrscherfamilie setzt sich Denkmäler in den Staub. Inmitten der Wüstenstadt Riad wächst wie am Lineal gezogen die gläserne Skyline. His Highness hat verstanden, dass die riesigen Erdölmengen nicht für immer den Wohlstand bringen, und setzt auf erneuerbare Energien. Solare Nutzung bietet sich an.

Der ramponierte Ruf eines Rüpels auf internationalem Parkett lässt sich heutzutage standesgemäß mit Sport Events aufpolieren. 300 Mio. € haben die Saudis hingeblättert um die belächelte Formel E für 10 Jahre nach Riad zu holen.  His Highness lässt sich den Spaß was kosten. Flugshow, eigene Royal Box für den ganzen Clan. Alleine der Fuhrpark an Bentleys, BMWs und Range Rovern ist verstörend. Der Gastgeber macht deutlich, wer hier der King im Dschungel ist.  Viele Frauen, und noch mehr Kinder gehören zur Entourage des obersten Chefs.

1. Formel E Rennen in Riad
Formel E Grandstands

Es ist der perfekte Hohn. Erdölgigant Saudi Arabien holt sich die vollelektrische Formel E als Showeinlage ins Land. Das passt so gar nicht zusammen.  Seine königliche Hoheit kann nämlich auch ganz anders. Es gibt derzeit ein Embargo auf Euro. Kein Hotel, keine Bank, niemand wechselt Euros in Saudische Riyal, nur US-Dollars. Aber Geld spielt ohnehin keine Rolle. Man sieht keine Obdachlosen, dafür viele Inder, Pakistani und Indonesier die die körperlich harte Drecksarbeit machen. Ein Saudi scheint sich den Thawb nie dreckig machen zu müssen.

Moderne Futuristik, Riad im Wandel

Die Saudis wissen sehr wohl um ihre exponierte und isolierte Stellung in der Welt. Viele erklären gerne und ungefragt, dass sich das Land schon sehr verändert habe und wollen letztlich genau dafür Anerkennung vom Gegenüber. Deutsche Markenqualität steht hoch im Kurs, überhaupt ist Saudi Arabien sehr geschmeidig für die teutonische Seele.  Deutschland ist sehr anerkannt und respektiert. Aber die arabische Seele bleibt dem Gast verschlossen.

Martinique

Europa ist schon einzigartig. In wenigen Stunden ist man quasi durch mehrere Länder gefahren, wenn man das möchte. Vielfältig und unterschiedlich, aber eben doch eins. Exotisch ist ein Attribut, welches auf den ersten Blick vielleicht nicht wirklich zur EU passt aber auch das gehört dazu.

Martinique, kleine Antillen, große Show. Karibik ohne Visum, mit französischem Savoir-vivre. In knapp 10 Stunden Flugzeit umhüllt einen dieser wärmende Mantel der Karibik – die Luft feucht und schwer.

Saint Marie, Ostküste

Nach der Ankunft gleich der erste Schock. Verkehr wie in europäischen Metropolen, teilweise auf vierspurig ausgebauten Stadtautobahnen steht man um Fort-de-France und fragt sich wo all die Autos herkommen. Es ist ein Phänomen und Alleinstellungsmerkmal von Martinique. Rush Hour im trägen Rhythmus der Karibik.

Fort-de-France Einkaufstrasse

FDF – Fort-de-France, die etwas derangiert wirkende Hauptstadt Martiniques ist alles andere als eine Festung Frankreichs, eher ein Fort de China und USA. Kleine, enge Gassen mit asiatischen Nippes-Verkäufern und Fast Food Ketten wie MC Donalds oder Burger King dazwischen wabern Dope-Schwaden durch die Luft.

 

Echte Schönheit sieht anders aus, aber nichtsdestotrotz hat FDF was. Die karibische Unaufgeregtheit zum einen, und den verfallenden, feuchten Charme alternder Städte zum anderen.

Wohn-und Geschäftshaus in Fort-de-France

Verlassene Bruchbuden, neben bewohnten Wohnblöcken und eigenartig deplatzierter Architektur sorgen für keine Langweile beim Betrachter. Mittendrin thront exponiert die Victor Schoelcher Bibliothek wie ein Puppenhäuschen. Schoelcher war ein Kämpfer gegen die Sklaverei, die altehrwürdige Bibliothek mit seinen Büchern ist sein Vermächtnis.

Bibliothek Victor Schoelcher, drinnen ist Fotografierverbot

Nicht nur FDF überrascht, auch der Rest von Martinique ist anders als man sich die Karibik vorstellt. Natürlich gibt es Postenkarten-Idyll, Strände, Palmen und das Meer auf Badewannentemperatur, aber es hat nicht den Hoch-Glanz einer Bacardi-Werbung.

Le Diamant

Mal fehlt dem Meer die Klarheit, oder dem Sand die Helligkeit. Das soll nicht despektierlich klingen, Martinique ist eine unperfekte Schönheit und gerade deswegen so reizvoll.

Schwarzer Sand, Le Lorrain

Vor allem lernt man schnell, dass die Karibik nicht nur aus azurblau, türkisgrün und sandgelb besteht. Die Karibik ist nassgrün. Wer die Peripherique von Fort-de-France hinter sich gelassen hat erlebt eine grüne Höhle.

En route nach Grand Rivière

Haarnadel-Kurven, steile Serpentinen eingequetscht zwischen grünen Wänden, die einen drohen zu verschlucken. Es ist ein Erlebnis der Demut. Ich bin klein, die Natur ist groß. Das satte Grün Martiniques ist allerdings keine Laune der Natur.

Nein, es regnet. Falsch, es schüttet. Nicht wie aus Eimern, sondern wie aus ausgekippten Schwimmbädern. Nur so lassen sich auch die Badewannenbreiten Regenrinnen neben den Sträßchen erklären. Wenn es schüttet ist Land unter, und Land runter. Die vollgesogenen grünen Hänge können ihr eigenes Gewicht nicht mehr tragen und gehen in kleinen Schlammlawinen ab.

Als Tourist im gemieteten, dazu lächerlich kleinen Dacia Sandero fühlt man sich da wie ein Sardinenbüchschen im tosenden Sturm der Natur. Weiße Dacia Sandero scheinen zudem einen Exklusiv-Vertrag mit allen Autovermietern der Insel zu haben, es fahren auffallend viele davon durch die Gegend.

Phare de la Caravelle

Martinique ist kein Geheimtipp, aber was ist das heutzutage schon noch? Es ist, bis auf einige Strände im Süden, dennoch relativ überschaubar was den Tourismus angeht. Natürlich hängt Martinique wie am Tropf seiner Importe, denn raus gehen nur Bananen, Ananas, Rohrzucker und Rum. Davon leben lässt es sich aber kaum, dank Lebenshaltungskosten auf europäischem Niveau.

 

Vielleicht ist das der Grund für die Lebensfreude und Freundlichkeit der Martiniquois. Wer ohne mehrmals in der Stunde Bonjour gesagt zu haben durch Martinique wandelt, hat die Insel nicht verstanden.

Bunte Häuser von Grand Rivière

Wenn schon teuer, dann wenigstens happy. Martinique ist Musikinique. Gwo Ka, Zouk – es wird getanzt. Vielleicht ist es auch der „Ti Punch“ die kreolische Antwort auf Caipirinha, welche die Hüften extrem locker macht. Martinique wie es singt und lacht.

Tartane

Martinique. Schon der Name ein Gedicht. Leicht, unbekümmert und verspielt. So wie die Karibik sich gerne präsentiert, und hier auch wirklich ist. Trotz weichem Namen, ein Stück Karibik mit Ecken und Kanten, die es aber unglaublich attraktiv machen.

Rathaus von Marigot

Willkommen auf Martinique – Kontan wé zot en Martinique!!!