Lyon, ma toute petite belle

Grande petite soeur!

 

Lyon wirkt unaufgeregt. Aber es hat dasselbe Flair wie Paris. Die kleine Schwester eben, auch wenn sie eigentlich sehr groß ist. Rhone und Saone entschleunigen die zweitgrößte Metropolregion Frankreichs erfolgreich und verliehen ihr zugleich einen angenehmen, geradezu mediterranen Zeitgeist.

Only Lyon ist der Hashtag zum Lebensgefühl. Hausboote, Restaurantboote oder Flussfahrtsboote Lyon gelingt dieser Spagat mühelos. Alles friedlich neben- und irgendwie auch miteinander. Eine alteingesessene Stadt mit engen, kleinen, verwinkelten Gassen. Hinterhofgängen, die durch Hinterhöfe führen (Les Traboules) und dann tauchen plötzlich unfassbar futuristische Neubauten auf. Die alten Docks reloaded und urban gemacht.

Les Traboules de Lyon

Lyon Confluence

Als hätte die Stadt verstanden, dass alte Mauern ihren Charme haben, aber nur wer die Zeichen der Zeit versteht und mit ihr geht, wird auch in Zukunft Erfolg haben. Auch die Infrastruktur ist up-to–date. Eine Stadt, die rollt. Auf eigenen Wegen. Fahrrad, Tretroller, E-Roller, Longboard, Inline Skates – so bewegt sich der Lyonais fort.

Bike lanes along the Saone

 

Les Terrasses de Lyon

Überhaupt ihre Menschen sind interessant. Nicht ganz so elegant wie Paris, aber doch stilvoll. Und wer nicht gerade rollt, der schlendert. Eile scheint für Paris vorgesehen, aber nicht so sehr für Lyon. Das macht den Besuch so reizvoll. Die Stadt, eine unterschätzte Unbekannte, fernab der Touristenmassen heutiger Großstädte. Das Leben pulsiert ruhig, aber intensiv. Lyon, ma grande petite soeur. Du bist eine Schönheit, die schnell verzaubert.


Jaa-manaika

„Jaa maan!“ – die zwei wichtigsten, jamaikanischen Vokabeln. Begrüßung, Antwort und Verabschiedung. Alles ist „jaa man“. Mehr braucht es auf dieser karibischen Insel eigentlich nicht. Naja, vielleicht noch ein bisschen Ganja, permanent an jeder Ecke angeboten. Jamaika ist mehr ein Gefühl, als ein Reiseziel.


Rastafaraika wäre der passendere Name. Bob Marley wird auf dieser Insel immer lebendig sein, ein Klischee zwar, aber treffend. Rastafari ist überall. Das Leben geht langsam, sehr laaangsam. Dope ist nun ja auch nicht gerade bekannt dafür, Usain Bolteske Handlungsschnelle an den Tag zu legen. Überhaupt, es scheint niemand auf Jamaika Stress zu haben. Man hängt rum und wartet. Auf was, erschließt sich dem Besucher nicht immer. Aber wenn schon nichts zu tun ist, bloß nicht hektisch werden.


Das vermittelt eine entspannte Atmosphäre, aber Armut und Perspektivlosigkeit machen gerne antriebsschwach. Nur wenn der träge Rastafari einen Touristen erblickt, kommt schnell Bewegung in die Sache. Jeder ist Künstler, und hat immer eigene CDs, Ketten, Armbänder oder Ganja for sale. Für Europäer kann die Distanzlosigkeit anstrengend und irritierend sein. Denn man bekommt diese CDs, Ketten und Armbänder immer dann angeboten, wenn man sie garantiert nicht braucht. Wenn ich nach einer Surfsession, nur mit Boardshorts gekleidet und Surfboard unter dem Arm am Strand aus dem Wasser komme, brauche ich mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit gerade keine CD, Kette od. Armband. Timing ist alles, aber auf Jamaika eher nicht.


Jamaikas Versprechen ist eben unkonventionell. In bunten Bretterbuden, die förmlich an den grünen Hängen der Insel kleben, spielt sich das Leben ab. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob man Nachbar hat oder nicht. Ob 23 Uhr abends oder 10 Uhr morgens, Musik läuft immer im roten Dezibelbereich. Selbst mit Gebärdensprache wäre es unmöglich sich zu verständigen weil die Lautstärke einen förmlich vom Boden fegt. Die Bretterbude zittert, egal. Man muss hören können, wie viel Bumms die Anlage hat.  Eine Insel, ohne Allüren. Jamaika macht seine unverfälschte Kulisse aus. Grün und satt beruhigt die Fauna das Auge. Keine Hotels, keine Menschenmaßen.


Port Antonio Downtown

Es hat viel Erol Flynn Romantik, gerade um Port Antonio herum. Auch wenn Port Antonio selbst kein Postkartenidyll ist. Klein, dreckig, arm – der immer gleiche Dreiklang einer typischen Dritte Welt Stadt.


Long Bay, Jamaica

Long Bay, ein langer weißer Sandstrand. Menschenleer, kristallklares Wasser und die nächste Parkuhr ist Tausende Kilometer entfernt. Das ist Entschleunigender als jeder Wellness Tempel Deutschlands. Die Natur gibt den Rhythmus hier vor. Und Bob Marley, natürlich. Der berühmteste Sohn der Insel, noch heute Volksheld ist die Stimme des Karibikstaates. Ohne Bob hätte Jamaika vermutlich nie einen Platz auf der Weltkarte bekommen. Der Kult um Marley zieht noch heute magisch.

„Ja maan, Bob.“